OM1 bis OM5: Multimode-Glasfaserklassen im Überblick

Multimode Klassen

Wenn du dich fragst, welche Multimode-Glasfaserklasse für deine Netzwerkinfrastruktur die richtige ist und welche Leistungsspektren du von OM1 bis OM5 erwarten kannst, bist du hier genau richtig. Diese Übersicht liefert dir die entscheidenden Informationen zur Auswahl der optimalen Lösung für deine spezifischen Anforderungen.

Das sind die beliebtesten Glasfaser-Kabel Produkte

Die Evolution der Multimode-Glasfaserkabel: Von OM1 zu OM5

Multimode-Glasfaserkabel (MMF) haben sich im Laufe der Zeit erheblich weiterentwickelt, um den steigenden Anforderungen an Bandbreite und Reichweite in modernen Netzwerken gerecht zu werden. Die Klassifizierung von OM1 bis OM5 spiegelt diese Entwicklung wider und ermöglicht es dir, die Leistungsfähigkeit und Anwendbarkeit der jeweiligen Fasergeneration zu verstehen. Jede Klasse wurde entwickelt, um spezifische Herausforderungen zu meistern, sei es durch verbesserte Bandbreite, erweiterte Reichweiten oder die Unterstützung neuer Wellenlängen für 100-Gigabit-Ethernet und darüber hinaus.

OM1: Der Pionier der Glasfaser

OM1-Glasfaserkabel sind die älteste und grundlegendste Form von Multimode-Glasfasern. Sie werden typischerweise durch ihren orangefarbenen Mantel identifiziert. OM1 verwendet einen großen Kerndurchmesser von 62,5 Mikrometern und ist für Anwendungen mit geringerer Bandbreite und kürzeren Distanzen konzipiert.

  • Kern- und Manteldurchmesser: 62,5/125 µm
  • Bandbreite: Gering, typischerweise 200 MHz*km bei 850 nm
  • Maximale Reichweite für 1 Gigabit Ethernet: Bis zu 550 Meter
  • Anwendungsbereiche: Ältere Netzwerke, kurzdistanzige Sprach- und Datenübertragungen, Desktop-Anschlüsse.
  • Vorteile: Kostengünstig, einfach zu terminieren.
  • Nachteile: Stark eingeschränkte Bandbreite und Reichweite für moderne Anwendungen.

OM2: Eine Verbesserung für 1 Gigabit Ethernet

OM2-Glasfaserkabel bieten im Vergleich zu OM1 eine deutliche Verbesserung der Bandbreite und sind ebenfalls durch einen orangefarbenen Mantel gekennzeichnet. Mit einem Kerndurchmesser von 50 Mikrometern ermöglichen sie höhere Datenraten über größere Entfernungen.

  • Kern- und Manteldurchmesser: 50/125 µm
  • Bandbreite: Deutlich höher als OM1, typischerweise 500 MHz*km bei 850 nm
  • Maximale Reichweite für 1 Gigabit Ethernet: Bis zu 1000 Meter
  • Anwendungsbereiche: Büronetzwerke, Rechenzentren mit moderaten Anforderungen, kurz- bis mitteldistanzige Verbindungen.
  • Vorteile: Bessere Leistung als OM1, immer noch kosteneffizient.
  • Nachteile: Für höhere Geschwindigkeiten wie 10 Gigabit Ethernet über längere Distanzen nicht mehr optimal.

OM3: Optimiert für Laser und 10 Gigabit Ethernet

OM3-Glasfaserkabel stellen einen bedeutenden Fortschritt dar und sind für den Einsatz mit Laserdioden (VCSELs) optimiert. Ihr Kern hat einen Durchmesser von 50 Mikrometern und sie werden typischerweise mit einem aquamarinfarbenen Mantel geliefert. Dies ermöglicht deutlich höhere Bandbreiten und Reichweiten, insbesondere für 10 Gigabit Ethernet.

  • Kern- und Manteldurchmesser: 50/125 µm
  • Bandbreite: Stark verbessert, typischerweise 2000 MHz*km bei 850 nm
  • Maximale Reichweite für 10 Gigabit Ethernet: Bis zu 300 Meter
  • Anwendungsbereiche: Rechenzentren, Backbone-Verbindungen, Storage Area Networks (SANs), die 10 Gigabit Ethernet erfordern.
  • Vorteile: Ermöglicht 10 Gigabit Ethernet über praktikable Distanzen, kompatibel mit bestehenden 50/125 µm Infrastrukturen.
  • Nachteile: Begrenzte Leistung für zukünftige Hochgeschwindigkeitsanforderungen über größere Distanzen.

OM4: Höhere Leistung für 10 und 40/100 Gigabit Ethernet

OM4-Glasfaserkabel sind eine Weiterentwicklung von OM3 und bieten eine noch höhere Bandbreite und verbesserte Reichweite. Sie werden ebenfalls mit einem aquamarinfarbenen Mantel geliefert und sind für den Einsatz mit VCSELs optimiert. OM4 ist die bevorzugte Wahl für viele moderne Rechenzentren, die 10 Gigabit und zunehmend auch 40/100 Gigabit Ethernet über Multimode-Fasern implementieren.

  • Kern- und Manteldurchmesser: 50/125 µm
  • Bandbreite: Höher als OM3, typischerweise 4700 MHz*km bei 850 nm
  • Maximale Reichweite für 10 Gigabit Ethernet: Bis zu 550 Meter
  • Maximale Reichweite für 40/100 Gigabit Ethernet: Bis zu 150 Meter
  • Anwendungsbereiche: Hochleistungsrechenzentren, Konvergenznetzwerke, Backbone-Verbindungen, High-Density-Verkabelung.
  • Vorteile: Bietet höhere Datenraten und größere Reichweiten für 10 und 40/100 Gigabit Ethernet im Vergleich zu OM3.
  • Nachteile: Nicht für alle zukünftigen Hochgeschwindigkeitsanwendungen über längere Distanzen ausgelegt.

OM5: Die zukunftsweisende Wideband Multimode Fiber (WBMMF)

OM5 ist die neueste Generation der Multimode-Glasfasern und zeichnet sich durch ihre Fähigkeit aus, mehrere Wellenlängen über einen einzigen Faserstrang zu übertragen. Diese Technologie, auch als Wideband Multimode Fiber (WBMMF) bekannt, ist in der Regel mit einem mintgrünen Mantel gekennzeichnet. OM5 wurde speziell entwickelt, um die Anforderungen zukünftiger kurzwelliger Wellenlängenmultiplexing (SWDM) Technologien zu unterstützen und ermöglicht damit eine deutlich höhere Kapazität.

  • Kern- und Manteldurchmesser: 50/125 µm
  • Bandbreite: Unterstützt einen breiteren Wellenlängenbereich, was zu einer höheren effektiven Bandbreite führt.
  • Maximale Reichweite für 100 Gigabit Ethernet (mit SWDM): Bis zu 400 Meter
  • Unterstützte Wellenlängen: 850 nm bis 953 nm
  • Anwendungsbereiche: Zukunftsfähige Rechenzentren, Anwendungen mit extrem hohen Bandbreitenanforderungen, Implementierung von 400 Gigabit Ethernet und darüber hinaus durch SWDM.
  • Vorteile: Ermöglicht höhere Bandbreiten über längere Distanzen durch die Nutzung mehrerer Wellenlängen, zukunftssicher für kommende Technologien.
  • Nachteile: Benötigt spezielle SWDM-Transceiver für die Nutzung des vollen Potenzials.

Vergleichstabelle der Multimode-Glasfaserklassen

Kriterium OM1 OM2 OM3 OM4 OM5
Kern- / Manteldurchmesser (µm) 62,5 / 125 50 / 125 50 / 125 50 / 125 50 / 125
Typische Bandbreite (MHz*km) bei 850 nm 200 500 2000 4700 (Breiter Wellenlängenbereich, optimiert für SWDM)
Maximale Reichweite 1 GbE (850 nm) Bis zu 550 m Bis zu 1000 m Bis zu 1000 m Bis zu 1000 m Bis zu 1000 m
Maximale Reichweite 10 GbE (850 nm) Bis zu 33 m Bis zu 300 m Bis zu 300 m Bis zu 550 m Bis zu 550 m
Maximale Reichweite 40/100 GbE (850 nm) Nicht spezifiziert Nicht spezifiziert Bis zu 100 m Bis zu 150 m Bis zu 150 m (mit traditionellen Transceivern)
Unterstützung für SWDM Nein Nein Nein Nein Ja
Maximale Reichweite 100 GbE (mit SWDM) N/A N/A N/A N/A Bis zu 400 m
Mantelfarbe (typisch) Orange Orange Aquamarin Aquamarin Mintgrün
Optimiert für LEDs LEDs VCSELs VCSELs VCSELs und SWDM

Die Bedeutung des Kerndurchmessers

Der Kerndurchmesser eines Multimode-Glasfaserkabels ist entscheidend für die Anzahl der Lichtmodi, die durch die Faser geleitet werden können. Ein größerer Kern (wie bei OM1 mit 62,5 µm) lässt mehr Lichtmodi zu, was jedoch zu Modendispersion führt. Modendispersion ist ein Phänomen, bei dem verschiedene Lichtmodi unterschiedliche Wege durch die Faser zurücklegen, was zu einer zeitlichen Verzerrung des Signals und somit zu einer reduzierten Bandbreite und Reichweite führt.

Fasern mit kleinerem Kern (wie OM2 bis OM5 mit 50 µm) minimieren die Modendispersion. Insbesondere die neueren Klassen wie OM3, OM4 und OM5 sind so konzipiert, dass sie die Modendispersion weiter reduzieren, indem sie die Lichtausbreitung optimieren und so höhere Datenraten über größere Entfernungen ermöglichen. OM5 geht einen Schritt weiter, indem es durch die Unterstützung mehrerer Wellenlängen die Gesamtkapazität dramatisch erhöht, ohne den Kerndurchmesser zu verändern.

Wellenlängen und ihre Auswirkungen

Die meisten Multimode-Glasfasern arbeiten in zwei Hauptwellenlängenfenstern: 850 nm und 1300 nm. Die Bandbreite und Reichweite variieren stark je nach Wellenlänge. Typischerweise bietet die 850 nm Wellenlänge die höchste Bandbreite über kürzere Distanzen, während 1300 nm eine höhere Bandbreite über längere Distanzen ermöglicht, jedoch oft mit geringerer maximaler Bandbreite als 850 nm bei den neuesten Fasertypen.

OM5 unterscheidet sich hier signifikant, da sie für die effiziente Übertragung über den Bereich von 850 nm bis 953 nm optimiert ist. Dies ist die Grundlage für Short Wavelength Division Multiplexing (SWDM), eine Technologie, die es ermöglicht, bis zu vier verschiedene Wellenlängen über eine einzige Faser gleichzeitig zu nutzen. Dies vervierfacht quasi die Kapazität pro Faserpaar.

Auswahl der richtigen Glasfaserklasse

Die Wahl der richtigen Multimode-Glasfaserklasse hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Aktuelle und zukünftige Bandbreitenanforderungen: Welche Geschwindigkeiten benötigst du jetzt und welche sind in den nächsten 5-10 Jahren wahrscheinlich?
  • Benötigte Reichweite: Wie weit müssen die Daten übertragen werden?
  • Budget: Höherwertige Fasern und die dazugehörige Transceiver-Technologie sind teurer.
  • Bestehende Infrastruktur: Wenn du bereits eine Verkabelung hast, kann es kostengünstiger sein, eine kompatible Faserkasse zu wählen.
  • Technologie-Roadmap: Planst du den Einsatz von 40/100 GbE oder noch höheren Geschwindigkeiten?

Für ältere Installationen, bei denen 1 Gigabit Ethernet über kurze Distanzen ausreichend ist, kann OM1 oder OM2 noch akzeptabel sein. Für moderne Rechenzentren, die 10 Gigabit Ethernet nutzen, ist OM3 die Mindestanforderung. Wenn du jedoch 40 oder 100 Gigabit Ethernet über größere Entfernungen im Rechenzentrum planst, ist OM4 die Standardwahl. Für zukunftssichere Implementierungen und die Vorbereitung auf 400 Gigabit Ethernet und darüber hinaus mit SWDM-Technologie ist OM5 die klar empfohlene Option.

Multimode Klassen

Das sind die neuesten Glasfaser-Kabel Produkte mit der besten Bewertung

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu OM1 bis OM5: Multimode-Glasfaserklassen im Überblick

Was ist der Hauptunterschied zwischen OM1 und OM2?

Der Hauptunterschied liegt im Kerndurchmesser und der daraus resultierenden Bandbreite. OM1 hat einen 62,5 µm Kern und eine geringere Bandbreite, während OM2 einen 50 µm Kern und eine höhere Bandbreite aufweist, was eine größere Reichweite für 1 Gigabit Ethernet ermöglicht.

Warum ist OM3 besser für 10 Gigabit Ethernet als OM1 und OM2?

OM3 ist speziell für den Einsatz mit Laserdioden (VCSELs) optimiert, die für höhere Geschwindigkeiten notwendig sind. Die verbesserte Bandbreite und reduzierte Modendispersion von OM3 ermöglichen 10 Gigabit Ethernet über Distanzen von bis zu 300 Metern, während OM1 und OM2 hier stark eingeschränkt sind.

Ist OM4 mit OM3 kompatibel?

Ja, OM4 ist abwärtskompatibel mit OM3. Das bedeutet, du kannst OM4-Kabel in einer OM3-Infrastruktur verwenden, und umgekehrt. Allerdings erzielst du die volle Leistung von OM4 nur, wenn du auch die entsprechenden OM4-fähigen Transceiver verwendest.

Welche Vorteile bietet OM5 gegenüber OM4?

OM5, auch bekannt als Wideband Multimode Fiber (WBMMF), unterstützt die Übertragung über einen breiteren Wellenlängenbereich (von 850 nm bis 953 nm) und ist für die Short Wavelength Division Multiplexing (SWDM) Technologie optimiert. Dies ermöglicht eine deutlich höhere Gesamtdatenkapazität pro Faserpaar, indem mehrere Wellenlängen gleichzeitig genutzt werden, was OM4 nicht kann.

Kann ich OM5-Kabel mit meinen bestehenden OM3- oder OM4-Transceivern verwenden?

Du kannst OM5-Kabel mit OM3- und OM4-Transceivern verwenden, aber du nutzt dann nicht das volle Potenzial von OM5. Um die Vorteile der SWDM-Technologie und der erweiterten Reichweite für höhere Geschwindigkeiten wie 100 GbE zu nutzen, benötigst du spezielle SWDM-fähige Transceiver.

Welche Glasfaserklasse ist für den Einsatz in einem modernen Rechenzentrum am besten geeignet?

Für moderne Rechenzentren, die 10 Gigabit Ethernet oder höher nutzen, sind OM3 und OM4 die Standardwahl. Wenn du jedoch die zukunftssicherste Lösung mit der höchsten Bandbreitenkapazität und der Möglichkeit zur Implementierung zukünftiger Hochgeschwindigkeitsstandards wie 400 GbE mittels SWDM benötigst, ist OM5 die beste Option.

Macht es Sinn, auf OM5 umzusteigen, wenn ich nur 10 Gigabit Ethernet benötige?

Wenn dein Hauptaugenmerk auf 10 Gigabit Ethernet liegt und die Reichweitenanforderungen durch OM3 oder OM4 abgedeckt werden, ist ein sofortiger Umstieg auf OM5 möglicherweise nicht zwingend erforderlich. Wenn jedoch die zukunftssichere Ausrichtung deiner Infrastruktur und die Vorbereitung auf zukünftige höhere Bandbreiten wichtig sind, kann OM5 eine strategisch sinnvolle Investition sein, insbesondere wenn du die Möglichkeit hast, SWDM-Transceiver zu nutzen.

★★★★★ ★★★★★
Bewertungen: 4.9 / 5. 355